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pfeil_linkHolger Brandes: Individuum und Gemeinschaft in der Sozialen Gruppenarbeit: der gruppenanalytische Ansatz
pfeil_linkHolger Brandes: Aspekte der Dynamik therapeutischer Männergruppen
pfeil_linkHarald Forst und Beate Rasper: Bewegung im Stuhlkreis
pfeil_linkChrista Franke: Verändern die Ergebnisse der Säuglingsforschung den Blick auf den Gruppenprozess?
pfeil_linkThomas Mies: Thesen zum Matrixbegriff von Foulkes - Individ. und gemeins. Unbewusstes in der Gruppe
pfeil_linkThomas Mies: Leib und Sozialstruktur - Zur neueren Soziologie der sozialen Ungleichheit
pfeil_linkRegine Scholz: Die Neuverhandlung sozialer Ordnung in multikulturellen Gruppen

Holger Brandes: Individuum und Gemeinschaft in der Sozialen Gruppenarbeit: der gruppenanalytische Ansatz pfeil_nach_oben
Abstract: Die soziale Gruppenarbeit ist eine der wichtigsten und viel praktizierten Methoden der Sozialen Arbeit. Ungeachtet dessen ist sie in ihrer konzeptionellen Begründung und methodischen Orientierung sehr unscharf und einem theoretisch wenig angeleiteten Pragmatismus verhaftet geblieben. Der vorliegende Beitrag plädiert angesichts dieses Defizits für einen Rückgriff auf den gruppenanalytischen Ansatz, der entgegen einem weit verbreiteten Rezeptionsmissverständnis keineswegs von Anfang an ein exklusiv gruppenpsychotherapeu- tischer Ansatz war und bei seiner Begründung durchaus Handlungsfelder der Sozialen Arbeit einschloß. Zu den Vorzügen dieses Ansatzes gehört es, dass er durch die Einbeziehung des soziologischen Denkens von Norbert Elias eine systematische Auffassung des Verhältnisses von Individuum und Gruppe ermöglicht. Die Gestaltung dieses Verhältnisses stellt - zumal in einer sich zunehmend individualisierenden Gesellschaft – eine Grundanforderung der Sozialen Gruppenarbeit dar. Der Beitrag arbeitet einige Besonderheiten gruppenanalytischer Leitungstätigkeit auf dem Feld der Sozialen Gruppenarbeit heraus und erläutert diese Besonderheiten exemplarisch anhand von Erfahrungen aus der Leitung von Arbeitslosengruppen.

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Holger Brandes: Aspekte der Dynamik therapeutischer Männergruppen pfeil_nach_oben
Abstract: Dieser Beitrag beschreibt die Dynamik therapeutischer Männergruppen aus der Perspektive der Gruppenanalyse (nach Foulkes). Ausgangspunkt ist die widersprüchliche Bedeutung, die der therapeutischen Männergruppe in der Assoziation mit dem Männerbund und als zugleich weiblich klassifizierter Raum zukommt (Grundlagenmatrix). Es wird dargestellt, wie Männergruppen abhängig von ihrer Zusammensetzung unterschiedlich mit dieser Widersprüchlichkeit umgehen. Ergänzend wird die Dynamik von Männergruppen unter den Aspekte der Kommunikationsweise, des Umgangs mit Aggression und Trauer und der Arbeit am Verhältnis zu Frauen beispielhaft beschrieben. In der Diskussion der dargestellten Prozesse wird auch auf die Differenzierung von hegemonialer und marginalisierter Männlichkeit nach Connell zurückgegriffen.

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Harald Forst und Beate Rasper: Bewegung im Stuhlkreis pfeil_nach_oben
Abstract. Der Artikel stellt eine von den AutorInnen gemeinsam geleitete Blockveranstaltung dar, in der das gruppenanalytische Setting mit dem Ziel einer Aufwertung der nonverbalen Kommunikation modifiziert wurde. An die Stelle der Stühle treten Sitzpolster. Ein vielfältiges Angebot von die Sprache ergänzenden Kommunikationsmitteln steht den Gruppenmitglieder zur Verfügung. Die AutorInnen erläutern die Vorerfahrungen und konzeptionellen Überlegungen, die sie zu diesem Experiment angeregt haben. Die Darstellung konzentriert sich auf einige Schlüsselszenen des Gruppenprozesses, die jeweils eng mit einem nonverbalen Kommunikationsmedium verknüpft sind. Sie arbeitet eine zunehmend engere Verflechtung von nonverbaler und verbaler Kommunikation heraus, wobei diese sich in Richtung auf eine sinnlich-symbolische Sprechweise entwickelt. Entgegen der Bedenken, die in der gruppenanalytischen community gegenüber einer stärkeren Einbeziehung der nonverbalen Kommunikation bestehen, war die Aufwertung der nonverbalen Kommunikation keineswegs mit einer Infragestellung der gruppenanalytischen Haltung und des Prinzips der nichtdirektiven Leitung verbunden.

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Christa Franke: Verändern die Ergebnisse der Säuglingsforschung den Blick auf den Gruppenprozess? pfeil_nach_oben
Abstract: Der vorliegende Artikel reflektiert den Entwicklungsprozeß einer halboffenen therapeutischen Frauengruppe auf dem Hintergrund der Rezeption der neueren Säuglingsforschung. Leitfaden sind dabei die Gegenübertragungsgefühle der Leiterin, deren Untersuchung durch die Einbeziehung von Schlüsselkonzepten der Säuglingsforschung wie 'affektive Abstimmung', 'Entwicklungsstufen des Selbst' oder Entwicklung des 'verbalen Selbst' angeregt und orientiert wird. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis der Leiterin zur Gruppe als Ganzes. Es wird gezeigt, wie die Leiterin in die Entwicklung der affektiven Kommunikation der Gruppe und der Reinszenierung früher Kommunikationsstörungen einbezogen ist und dazu beiträgt, neue Spielräume affektiver Abstimmung und intersubjektiver Bezogenheit zu erschließen. Der Artikel hebt die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation als mit dem Sprechen verschränkter, aber eigenwertiger und keineswegs bloß dem Wiederholungszwang dienender Mitteilungsform hervor. Er sieht die Veränderungschance der Gruppe darin, dass sie durch die Kommunikation in Kreisform einseitige Definitionsmacht in der Abstimmung und Aushandlung von Bedeutungen, wie sie für den 'entgleisten Dialog' (R. Spitz) gestörter Eltern-Kind-Beziehungen charakteristisch sind, relativiert und tendenziell auflöst.

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Thomas Mies: Thesen zum Matrixbegriff von Foulkes - Individuelles und gemeinsames Unbewusstes in der Gruppe pfeil_nach_oben

Abstract: Die folgenden Thesen erläutern den Schlüsselbegriff des gruppenanalytischen Theorieansatzes: den Matrixbegriff. Sie heben - im Vergleich zur Psychoanalyse - die Veränderung in der Auffassung des Unbewussten hervor, die der Begründer der Gruppenanalyse S.H. Foulkes mit diesem Begriff zu artikulieren versucht. Leitmotiv ist dabei der Gedanke, dass Psychodynamik und Gruppendynamik in einem untrennbaren inneren Zusammenhang stehen. In der Gruppenanalyse stellt sich das Unbewusste als durch und durch kommunikativ vermittelt dar. Seine Entwicklung ist gebunden an die Entwicklung der Medien der Kommunikation und der mit diesen verknüpften kollektiven Bedeutungen. Dabei stehen verbale und nonverbale Mitteilungsformen in einem Ergänzungs- und nicht in einem hierarchischen Verhältnis, das dem Sprechen den Vorzug einräumt. Beide können sowohl progressive als auch regressive Funktionen erfüllen. Die Thesen erläutern einige methodische Schlussfolgerungen, die sich aus dem dargestellten Matrixkonzept für das Verstehen und Intervenieren in Gruppen ableiten lassen.

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Thomas Mies: Leib und Sozialstruktur - Zur neueren Soziologie der sozialen Ungleichheit pfeil_nach_oben

Abstract: Norbert Elias hat gezeigt, dass die kollektive bzw. Wir-Identität eine zentrale Dimension der persönlichen bzw. Ich-Identität bildet. Gemäß dieser Einsicht versucht der Artikel, das herkömmliche wechselseitige Desinteresse im Verhältnis von soziologischer Sozialstrukturanalyse und psychotherapeutischer Thematisierung persönlicher Beziehungsgeschichte zu hinterfragen. Als Leit- faden dient dabei das Konzept der 'Inkorporierung des Sozialen', das insbesondere von dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu entwickelt wurde. Es ist eine zentrale These des Artikels, dass die für die Familie konstitutiven Geschlechter- und Generationenverhältnisse auch bei der Herausbildung, Stabilisierung und dem Konflikt großer sozialer Gruppen eine Schlüsselrolle spielen. Eine Soziologie sozialer Ungleichheit, die die ungleiche Verteilung gesellschaftlicher Ressourcen mit der Ungleichheit von Lebensstilen in Zusammenhang bringt, erschließt einen neuen Zugang zum kollektiven Aspekt von Lebensgeschichte, der auch der Psychotherapie neue Wege des Verstehens und Intervenierens eröffnen kann. Zum Schluß skizziert der Artikel einige mögliche Konsequenzen eines Dialogs zwischen Psychotherapie und neuerer Sozialstrukturforschung. Im Mittelpunkt stehen dabei Veränderungen in der Auffassung des Unbewussten und in der Theorie von Übertragung und Gegenübertragung.

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Regine Scholz: Die Neuverhandlung sozialer Ordnung in multikulturellen Gruppen pfeil_nach_oben

Abstract: Davon ausgehend von, dass in allen Therapie- und Selbsterfahrungsgruppen stets auch ein Kampf um die persönliche Anerkennung stattfindet, wird die These aufgestellt, dass bei multikultureller / multiethnischer Zusammensetzung erkennbar wird, wie sehr der persönliche Selbstwert auf eine soziale Ordnung und den eigenen respektierten Platz darin verweist. Gruppenmitglieder aus unterschiedlichen sozialen Ordnungen (Kulturen) stehen vor der Aufgabe, die Bedeutung / Wertigkeit so grundlegender Dimensionen wie Geschlecht, soziale Schicht, religiöse Prägung etc. in ihrer konkreten Ausformung neu zu bestimmen. Dies findet im Kontext des relativen Machtungleichgewichtes von Mehrheitskultur und Minderheitenkulturen statt, der zur gegenseitigen Abwertungen tendiert. Je gewaltförmiger die in den über einander bestehenden Stereotypen geronnene Geschichte verlaufen ist, um so eher wird das zum Problem im Gruppenprozess. Für den deutschen Kontext ist diese Blockade durch den Holocaust gesetzt, die sich als Spaltung bemerkbar macht. Der Grad der Auflösung dieser Spaltung ist die Grenze, wie weit sich der "normale Prozess" des Austauschs verschiedener Kapitalien wie Intelligenz, Schönheit, sozioökonomischer Status, Bildung etc. vollziehen kann, in dem jedes Mitglied die Bestätigung seines Wertes zu erreichen sucht und alle zusammen unbewusst die konkrete Version einer gemeinsamen sozialen Ordnung in der Gruppe herstellen. Außer auf Bourdieu stützen sich diese Gedankengänge hauptsächlich auf Elias, Benjamin und Rommelspacher.

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