Gruppenanalyse wird heute national und international praktiziert: von Ärzt_Innen, Psycholog_innen, Sozialarbeiter_Innen,  Pädagog_Innen und vielen Angehörigen anderer Berufe, die mit  Gruppen arbeiten.

In meinem Ansatz bezieht sich der Begriff ‚Analyse‘ nicht allein auf die Psychoanalyse, sondern spiegelt drei Einflüsse, die alle für ihn bedeutsam sind: (1) Die Prinzipien, die Kurt Goldstein und Adhémar Gelb in ihrer bahnbrechenden Arbeit mit hirnverletzten Patienten entwickelt haben. […] Sie fassten sie unter dem Begriff ‚Psychologische Analyse‘ zusammen, die war das neurobiologische Äquivalent zu den verschiedenen Gestaltpsychologischen Schulen, z.B. Kurt Lewins Feldtheorie […] (2) Der zweite Einfluss ist die Psychoanalyse selbst. […] Dieser Einfluss wird insbesondere in der Wertschätzung unbewusster Bedeutungen und unbewusster psychischer Prozesse wirksam. […] (3) Der dritte Beitrag zur Auffassung des Begriffs ‚Gruppenanalyse‘ kann als soziologische Analyse oder Sozioanalyse bezeichnet werden. […] Von einem soziologischen Standpunkt aus und unabhängig von mir hat Karl Mannheim […] den Begriff ‚Gruppenanalyse‘ verwendet.

– S.H.Foulkes (1946, übers.)

Die Gruppenanalyse

Auf dem gruppenanalytischen Ansatz basiert heute nicht nur eine der international einflussreichsten Methoden der Gruppenpsychotherapie, die Therapeutische Gruppenanalyse, er eröffnet auch als Angewandte Gruppenanalyse vielfältige Einsatzmöglichkeiten für die Arbeit mit Gruppen in Erziehung und Bildung, in Beratung und Sozialer Arbeit, in Supervision und Organisationsberatung.

Die Gruppenanalyse wurde durch den deutsch-jüdischen Psychonanalytiker S.H. Foulkes nach seiner durch den Nationalsozialismus erzwungenen Emigration in England begründet.

Vor seiner Emigration war S.H. Foulkes aktiv beteiligt an dem deutsch-jüdischen interdisziplinären Netzwerk, das sich in der Weimarer Republik im Kontext der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main herausgebildet hatte. Dieses Netzwerk verband renommierte Psychoanalytiker, Philosophen, Soziologen, Neurowissenschaftler, Psychologen und Theologen in einem intellektuell außerordentlich produktiven Austausch. An diesem Austausch beteiligt waren u.a. Karl Landauer und Erich Fromm, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, Karl Mannheim und Norbert Elias, Kurt Goldstein und Max Wertheimer, Martin Buber und Franz Rosenzweig. Die Einsichten und Erfahrungen, die Foulkes in diesem Netzwerk gewann, haben auch sein gruppenanalytisches Denken tief geprägt. Über die Psychoanalyse hinaus waren insbesondere Denkansätze aus der Neurobiologie, der Gestaltpsychologie und der Figurationssoziologie von Norbert Elias wegweisend für die Theorie und Praxis der Gruppenanalyse.

Für die Gruppenanalyse stellen Individuum und Gruppe keinen Gegensatz dar. Sie werden in untrennbarem Zusammenhang und gegenseitiger Bedingtheit erfasst. Die Therapeutische Gruppenanalyse verortet psychische Störungen nicht primär im Individuum, sondern im Netzwerk der sozialen Beziehungen, die für es lebenswichtig sind. Umgekehrt legt die Angewandte Gruppenanalyse bei Konflikten und Kommunikationsstörungen in Arbeitsgruppen und Institutionen die Widersprüche offen, die zwischen eingefahrenen Strukturen und persönlichen Bedürfnissen nach Mitteilung, Anerkennung und Beteiligung bestehen und deren Bearbeitung für die Arbeitsfähigkeit von Teams und Organisationen von großer Bedeutung ist.

Die gruppenanalytische Praxis ist ein lebendiger und kreativer Prozess, in dem sich verbale und nonverbale, kognitive und affektive Kommunikation verflechten. Es eröffnen sich durch sie neue Spielräume, in denen Vergangenes im Kontext der jeweiligen Gruppe auf neue Weise betrachtet werden kann und die Möglichkeit der Veränderung im Hier und Jetzt erlebt und erprobt wird. Die Gruppenanalyse deckt unbewusste Beziehungsmuster und Bedeutungen auf und führt so zu einem vertieften Verständnis des jeweiligen Gruppenkontextes in seinen kollektiven und individuellen Bezügen.

Im gruppenanalytischen Prozess ist es eine zentrale Erfahrung, dass Autonomie und Bezogenheit sich wechselseitig ermöglichen. Wachsende Individualisierung geht einher mit wachsender Kommunikationsfähigkeit.

Das große Potential der Gruppenanalyse lässt sich auf jeweils spezifische Weise in allen Formen der Gruppenarbeit entfalten.

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